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Kurzbeschreibung
Die blutjunge, temperamentvolle Eustacie wird von ihrem englischen Großvater Lord Lavenham vor den Schrecken der Französischen Revolution gerettet. Unternehmungslustig bis zur Unvernunft meint sie, ein Erlebnis von erhabener Größe verpaßt zu haben. So bricht sie aus ihrer wohlgeordneten neuen Umgebung aus und stürzt sich in verwegene Abenteuer mit einem Schmuggler und angeblichen Mörder, der sich zuletzt als der rechtmäßige Erbe des Lords entpuppt.
Quelle: rororo TB Ausgabe 1986
Textbeispiel
"Aber wenn ich nicht in Gesellschaften gehen darf, was soll ich denn dann in Bath tun?"
"Nun, ich nehme an, Sie werden sich mit einer Periode der Stille abfinden müssen."
"Der Stille?" sagte Eustacie entsetzt. "Noch mehr Stille? Nein und nein und nein!"
Er musste wider Willen lachen, sagte jedoch: "Ist es so schrecklich?"
"Ja", sagte Eustacie nachdrücklich. "Zuerst muß ich in Sussex leben, und jetzt soll ich nach Bath gehen - um Karten zu spielen! Und danach bringen Sie mich nach Berkshire, wo ich vermutlich sterben werde."
"Hoffentlich nicht!" sagte Shield.
"Doch, ich glaube schon", sagte Eustacie, stützte das Kinn in die Hand und blickte kummervoll ins Feuer. "Schließlich hatte ich ein sehr unglückliches Leben ohne irgendwelche Abenteuer, und es wäre nicht verwunderlich, wenn ich dahinsieche. Nur - es passiert mir ja nie etwas Interessantes", fügte sie bitter hinzu, "daher werde ich vermutlich bloß im Kindbett sterben, etwas, was jeder tun kann."
Sir Tristram errötete vor Unbehagen. "Aber Eustacie!" protestierte er.
Eustacie war viel zu vertieft in die Betrachtung ihres düsteren Schicksals, um auf ihn zu achten. "Ich werde Ihnen einen Erben schenken", sagte sie, "und dann werde ich sterben." Das Bild sprach sie plötzlich an; sie fuhr in einem heitereren Ton fort: "Alle werden sagen, daß ich zu jung zum Sterben war, und man wird Sie aus der Spielhölle holen, in der Sie -"
"Mich woher holen?!" unterbrach Sir Tristram, im Augenblick von diesem Flug der Phantasie fortgerissen.
"Aus einer Spielhölle", wiederholte Eustacie geduldig. "Oder vielleicht vom Hahnenkampf. Das ist unwichtig; es spielt keine Rolle. Aber ich glaube, Sie werden große Reue empfinden, wenn man Ihnen erzählt, daß ich im Sterben liege, und Sie werden aufspringen und sich auf Ihr Pferd werfen und ventre-à-terre reiten, um an mein Sterbebett zu gelangen. Und dann werde ich Ihnen verzeihen und -"
"Wovon, in Himmels Namen, reden Sie da?" fragte Sir Tristram. "Warum sollten Sie mir verzeihen? Warum sollten - was soll eigentlich dieser Unsinn?"
Eustacie, so rüde aus ihrem angenehmen Traum geweckt, seufzte und ließ davon ab. "Es ist nur, was meiner Meinung nach vielleicht geschehen könnte", erklärte sie.
Sir Tristram sagte streng: "Mir scheint, Sie lassen Ihrer Phantasie viel zu freien Lauf. Seien Sie versichert, daß ich weder Spielhöllen noch Hahnenkämpfe besuche! Und", fügte er mit einer Spur Humor hinzu, "es ist ach keineswegs meine Gewohnheit, mich auf meine Pferde zu werfen."
"Nein, und Sie reiten auch nicht ventre-à-terre. Das brauchen Sie mir nicht erst zu erzählen. Und ob ich das weiß!"
"Das heißt, nur bei der Jagd!" sagte Sir Tristram.
"Meinen Sie, Sie täten es vielleicht doch auch, wenn ich auf dem Sterbebett läge?" fragte Eustacie hoffnungsvoll.
"Ganz bestimmt nicht. Wenn Sie auf dem Sterbebett lägen, ist es kaum wahrscheinlich, daß ich nicht daheim wäre. Ich wollte, Sie würden sich diese Idee vom Sterben aus dem Kopf schlagen. Warum sollten Sie sterben?"
"Aber das habe ich Ihnen doch gesagt!" sagte Eustacie und strahlte bei diesem Zeichen des Interesses auf. "Ich werde -"
"Ich weiß, ich weiß", sagte Sir Tristram hastig. "Sie brauchen es mir nicht nochmals zu erzählen. Solche Angelegenheiten zu besprechen ist noch Zeit genug, wenn wir verheiratet sind."
Anmerkungen
Eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Leider im Deutschen wieder einmal mit einem furchtbaren Titel bestraft. Der englische Titel "The Talisman Ring" sagt genau, worum es geht, nämlich keineswegs um eine Verlobung zu Dritt (im ganzen Buch kommt so etwas nicht vor - höchstens mit sehr viel Phantasie hineininterpretiert). Es ist mehr ein Abenteuerroman, denn eine Liebesgeschichte. Die Heldin Eustacie läuft vor der Ehe mit dem wirklich absolut unpassenden Sir Tristram Shield davon und erlebt eine Reihe Abenteuer, um den Talismanring zu finden und ihren Vetter Ludovic Lavenham von der Anschuldigung eines Mordes reinzuwaschen. Ganz nebenbei finden sowohl Eustacie als auch Sir Tristram den passenden Partner für's Leben.
Ich schmunzele bei jedem Wort, bei jedem Satz dieses Buches und kann es meistens nicht weglegen, bevor ich es in einem Rutsch durchgelesen habe.
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