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Kurzbeschreibung
Gervase Frant, Siebenter Earl of St. Erth, kehrt unverhofft aus der Schlacht bei Waterloo zurück und sieht sich Intrigen und Mordanschlägen seiner Verwandschaft ausgeliefert, die ihn unbedingt beerben will. Doch mit seiner heiteren Gelassenheit gewinnt Frant den Familienkrieg und sogar das Herz der reizenden Miss Morville.
Quelle: Moewig TB Ausgabe 1994
Textbeispiel
Ihre Eskapaden ins Reich der Phantasie würde ihre Tochter überrascht, ja entsetzt haben, deren eigene Ansichten über ihre Lagen entschieden hoffnungslos waren. Mrs. Morville hatte sich nicht getäuscht: Drusillas Herz war nicht mehr frei. Wie fest es auch den Avancen des vielversprechenden jungen Politikers Henry Poundsbridge getrotzt hatte, so war es vor dem ersten Lächeln des Earls geschmolzen. "Um die Wahrheit zu sagen", sagte Drusilla streng zu ihrem Spiegelbild, "hast du dich in eine schöne Larve verliebt und solltest dich schämen!" Sie bedachte darauf, daß sie einige Male in Gesellschaft Lord Byrons gewesen war, ohne dem Zauber eines Gesichts zu erliegen, das allgemein als das schönste von ganz England bezeichnet wurde, und heiterte sich wieder auf. Aber bald kühlte eine objektive Betrachtung ihres eigenen Gesichtes ihre gute Laune wieder ab. Sie konnte weder an ihrem frischen Teint noch an ihren großen dunklen Augen etwas Schönes finden und hätte ihr natürlich gelocktes braunes Haar gerne für goldene oder rabenschwarze Flechten eingetauscht. Und was ihre Gestalt betraf, so konnte sie sich nicht dazu überreden, anzunehmen, daß St. Erth, der selbst so schlank und elegant war - wenn es auch Männer gab, die für kleine rundliche Frauen etwas übrig haben mochten -, sie für etwas anderes halten konnte als ein kleines, unbedeutendes Wesen.
"Wie töricht, anzunehmen, daß er dich anders betrachtet als mit Wohlwollen und Duldung, bloß weil er so besonders entgegenkommend ist!" sagte sie ihrem Spiegelbild. Drauf schneuzte sie sich, schnupfte und fügt mit einem verächtlichen Blick auf ihr erhitztes Gesicht hinzu: "Verlaß dich darauf, du bist genau die Art von einem Mädchen, das ein Mann gerne zur Schwester hätte! Du kannst nicht einmal in Ohnmacht fallen, und ich bin überzeugt, es würde jämmerlich ausfallen, wenn du es probiertest. Alles, was du hast, ist Hausverstand, und wozu kann man den schon brauchen, wenn ich bitten darf?"
Dieser bittere Gedanke erinnerte sie an die verschiedenen Gelegenheiten, bei denen sie - wäre sie die Art von Frau gewesen, die der Earl zweifellos bewunderte - seine Leidenschaft mit einer Schaustellung von Gefühl oder Heroismus hätte entflammen können. Dieser Ausflug in das Reich der Romantik war aber nicht hundertprozentig erfolgreich, denn während sie sich nach Kräften bemühte, die angenehme Vision einer heroischen Miss Morville heraufzubeschwören, konnte die richtige Miss Morville, die nicht nur einen Sinn für das Praktische, sondern auch zwei Brüder besaß, die sich keine Blatt vor den Mund nahmen, nichts tun, als fortwährend Einwände gegen das Benehmen der Heldin zu erheben.
Es hätte sich natürlich sehr gut ausgenommen, sich damals, als der Earl mit Martin focht, zwischen die Kämpfenden zu werfen, daß diese herrliche Geste aber in einer männlichen Brust etwas anderes als Erbitterung hervorgerufen hätte, konnte sie sich bei bestem Willen nicht vorstellen. Sie meinte also, sich diesbezüglich keine Vorwürfe machen zu müssen. Aber als sie sich ihr Verhalten auf der Avenue vergegenwärtigte, wo der Earl vom Pferd gestürzt war, konnte sie es nur als unqualifizierbar bezeichnen. Hier hatte sie sich eine ideale Gelegenheit für Krämpfe, Ohnmachtsanfälle und Gefühlsbezeigungen höherer Art auf das sträflichste entgehen lassen! Wie konnte sie auch von Seiner Lordschaft erwarten, er sollte erraten, daß ihr Herz so rasend geschlagen hatte, daß sie beinahe selbst in Ohnmacht gefallen wäre, wo sie doch in einem völlig unbeteiligten Ton mit ihm gesprochen hatte! Nicht einmal dann, als er leblos ins Schloß gebracht wurde, hatte sie sich benommen wie eine romantische Heldin! War sie beim Anblick seiner blutbefleckten Kleidung in Ohnmacht gefallen? Hatte sie geschrien? Nein! Sie hatte lediglich Ulverston hierhin geschickt, Turvey dorthin, Chard zum Doktor, während sie selbst versucht hatte, zu tun, was in ihren Kräften stand, um das Blut zu stillen.
Hier legte sich die prosaische Miss Morville ins Mittel. "Das war auch ganz richtig!" sagte sie.
"Es hätte ihm sicher mehr imponiert, wenn ich in Ohnmacht gefallen wäre!" widersprach Drusilla.
"Unsinn! Inzwischen wäre er gestorben, denn du weißt genau, daß niemand sonst die geringste Ahnung hatte, was zu tun war!" sagte Miss Morville.
"Ich hätte wenigstens schreien können, als Martin durch die Wand kam!"
"Er war dir sehr dankbar, daß du nicht geschrien hast. Er sagte, du wärest eine bemerkenswerte Frau", erinnerte sie Miss Morville.
"Dasselbe hat er auch von seiner Tante Cinderford gesagt!" sagte Drusilla, jedem Trost abhold.
Darauf wußte Miss Morville nichts zu antworten, sondern gab betrübliche Ratschläge. "Du solltest ihn dir aus dem Kopf schlagen und zu deinen Eltern zurückkehren", sagte sie. "Sicher wird er sich bald mit einer großen schönen Frau verloben und deine Existenz vollkommen vergessen. Aber trotzdem liegt noch ein nützliches Leben vor dir: deine Brüder werden heiraten, und wenn du selbst auch ledig bleiben wirst, werden sich alle deine Neffen und Nichten keine bessere Tante wünschen können."
Vielleicht war es unter diesen Umständen nicht überraschend, daß Miss Morville und nicht Drusilla dem Earl bald darauf seine Medizin brachte.
Anmerkungen
Aargh! Ein wunderbares, sehr unterhaltsames Buch wird hier vom Moewig-Verlag wieder rettungslos verschandelt. Dieser Buchrückentext ist unmöglich!
Wie man an obigen Fotos sieht hat die Moewig-Ausgabe wieder einmal einen entsetzlich kitschigen Einband, so dass man dieses Buch, das mehr ein Krimi ist, denn eine Romanze, nur mit Schutzumschlag in der Öffentlichkeit lesen kann! Ja tatsächlich, hatte ich es auf einer Dienstreise mit und nur unter Aufwand all meinen Mutes habe ich mich dazu überwunden, es im Flugzeug zu lesen. Nur gut, dass mich von den anderen Passagieren keiner kannte.
Das Buch beginnt recht beschaulich und braucht seine Zeit, um die richtige Stimmung aufzubauen und den Leser in die Charaktere einzuweihen. Doch durch Miss Heyers unvergleichlichen Stil und ihre Liebe für ihre Protagonisten ist jeder Satz ein solches Vergnügen, dass der Weg zum Höhepunkt einem nie langweilig wird und das Ende schließlich viel zu früh zu kommen scheint.
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