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Kurzbeschreibung
Ein prächtiges altes Schloß mit mehrhundertjähriger Geschichte zu übernehmen, Oberhaupt einer Familie mit erlauchtem Namen zu werden und obendrein noch Anthea, das reizendste Mädchen weit und breit, zu ehelichen - das sind Pläne, die der alte Lord Darracott mit seinem Enkel Hugh verfolgt. Zur Schadenfreude der geprellten Erben erweist sich der aufrechte Major Hugh Darracott jedoch als Mann mit ungeschliffenen Manieren und bäuerischem Dialekt, dem der Vetter Vincent bald den Beinahmen "Ajax der Tölpel" verpaßt. Doch die liebliche Anthea durchschaut als einzige, was sich hinter seiner Unbeholfenheit verbirgt.
Quelle: rororo TB Ausgabe 1986
Textbeispiel
Aber nicht einmal um drei war die geringste Spur von Major Darracott zu erblicken und Mylord auf dem besten Weg zu einem saftigen Zornausbruch. Er durchstapfte einen der Salons, Uhr in der Hand, und fragte anklagend, was zum Teufel den Menschen wohl aufhalten mochte. Niemand beantwortete diese Frage. Worauf Mylord wissen wollte, ob sie denn alle taubstumm geworden wären.
"Stumm, ja", murmelte Vincent, "aber in bester Absicht. Claud - wo ist dein Vetter?"
"Welcher Vetter?" fragte Claud und geriet mit dieser Äußerung mitten in Schußlinie.
Er wurde prompt als dreister junger Schwachsinniger bezeichnet und nachdrücklich verwarnt, die Geduld seines Großvaters nicht auf allzu harte Probe zu stellen. Claud, ehrlich erschrocken, versicherte wortreich, daß nichts seinen Absichten weniger entspräche. "So schwachsinnig wieder nicht, Sir!" erklärte er mit beschwichtigendem, aber leicht ängstlichem Lächeln.
Mylord, der ihn voll Abscheu betrachtete, sagte mit fürchterlicher Stimme: "Es ist meine Überzeugung, bei dir ist's nicht richtig im Oberstübchen!" Sein Blick streifte Lady Aurelia. Sie saß klöppelnd beim Fenster. Und er fügte hinzu, voll Genugtuung: "Er dürfte den Ihren nachgeraten, meine Liebe. Wir Darracotts setzten nämlich noch niemals Mondkälber in die Welt."
"Wohl anzunehmen", erwiderte Lady Aurelia.
Mylord, der Freude beraubt, Lady Aurelia in Verlegenheit zu sehen, tobte stillschweigend. Da sagte Claud plötzlich - er hatte die an ihn gerichtete Frage indessen im Geiste gewälzt: "Ach, der Vetter! Ah, das weiß ich schon!"
Er sah, daß sämtliche Anwesende mit Ausnahme seiner Mutter ihn verblüfft anstarrten, errötete fast unmerklich und setzte bescheiden hinzu: "Ich bin vielleicht kein Schlaufuchs - aber das kann ich euch sagen: passiert ist ihm nichts. Wo er ist, weiß ich allerdings nicht, aber ich kann es mir vorstellen." Er blickte in die Runde, mit mildem Stolz, und verkündete triumphierend: "Tonbridge! Kommt frühestens in drei Stunden. Frühestens! Vorausgesetzt, daß die Postillions sich nicht verirren, was sie wahrscheinlich tun werden. Verteufelt schwer zu finden, dieses Schloß. Bin selber schon einmal vom Weg abgekommen."
Nach diesem Anfall von Redseligkeit verharrte Claud wieder in Stillschweigen. Und schon suchte sein Großvater, dem angsteinflößenden Ausdruck seines Gesichts nach zu schließen, nach Worten, die ihn vernichten sollten, als Lady Aurelia sich ins Mittel legte: "Du wirst wohl recht habe. Der junge Mann wird kaum vor dem Nachtmahl hier eintreffen."
"Ach, in der Tat, Ma'am?" knurrte Seine Lordschaft und wandte sich sogleich dem würdigeren Gegner zu, "dann lassen Sie sich gesagt sein, daß ich Lissett befahl, den Burschen Punkt acht Uhr früh in die Postkutsche zu setzen - keine Sekunde später. Und ich erwarte, meine Befehle befolgt zu sehen. Das wird er noch lernen müssen!"
"Wird er auch", bemerkte Vincent. "Diese Prophezeiung scheint mir nicht unberechtigt." Lord Darracott hatte eben die Türe ins Schloß geschmettert.
Anmerkungen
Ein Buch, das recht ruhig beginnt und seine Zeit für die Einführung der Charaktere und dem Aufbau der Geschichte braucht, dann jedoch unaufhörlich einem furiosen Ende zu geht.
Dieses Buch lebt von den herrlichen Charakterzeichnungen und dem Humor des Schloßerben, mit dem er den Anfeindungen seiner Verwandschaft begegnet.
Leider ist die Übersetzung nicht besonders. Eine Lida Winiewicz hat das Buch übertragen und m. E. nicht sehr gut. Immer wieder ist die Sprache holprig und es scheinen ganze Wörter zu fehlen. Falls jemand eine andere Übersetzung kennt, bitte ich um Nachricht.
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